Pastel – gestern und heute

Ein bisschen Geschichte

Isatis tinctoria (Wikipedia)
Isatis tinctoria (Wikipedia)

„Pastel des teinturiers“ – so heißt die unauffällige, gelb blühende Pflanze in Frankreich, „Pastel der Färber“. Auf Deutsch nennt man sie Färberwaid, die lateinische Bezeichnung ist Isatis tinctoria. (Weil das Wort Pastell im deutschen nur für eine bestimmte Art von Künstlerfarben und die daraus entstehende Maltechnik verwendet wird, kommt es am Anfang leicht zu Missverständnissen. In diesem Text verwenden wir den Ausdruck Pastel so wie in Frankreich – für die Pflanze und die aus ihr entstehende blaue Farbe in allen ihren Erscheinungsformen.)

 

Die Blätter dieser faszinierenden Pflanze werden von alters her zum Färben verwendet, die Samen für das Pastel-Öl.

Früher wurden die Blätter in Pastelmühlen zerkleinert, zu einer Paste verarbeitet und per Hand zu Kugelngeformt, die man „cocagnes“ nannte. Diese Kugeln müssen noch vielen schwierigen und delikaten Arbeitsschritten unterworfen werden (z.B. Zerkleinern, Fermentieren, Trocknen), bevor sie das Pigment abgeben, dass man zum Färben verwenden kann. Da aber die Arbeit mit vielen Pausen ablief und man durch den Verkauf der Cocagne-Kugeln sehr reich werden konnte, nannte man in ganz Frankreich eine Art Schlaraffenland „Pays de Cocagne“

 

Die Kunst des Meister-Färbers (maître pastellier) bestand daraus, aus den pigmenthaltigen Kugeln ein Färbebad zu bereiten. Der Vorgang war lang und kompliziert, aber die Belohnung folgte sofort, dann nämlich, wenn der gefärbte Stoff aus dem Farbbad noch gelblich-grün auftaucht und sich wie durch einen Zauber beim Kontakt mit dem Sauerstoff der Luft blau färbt.

Man erhält mit dem Pastel jede Farbnuance von Blau, vom allerhellsten bis zum tiefdunklen. Und dieses Blau färbt nicht ab und hält seine Farbe durch die Jahrhunderte... Pastel besitzt all diese Vorzüge noch heute.

 

Die Kunst des Färbens mit Pastel ist seit der Urzeit bekannt, auch die Ägypter verwendeten es schon. Aber von der Römischen Antike bis zum 16. Jahrhundert ist es West-Europa, das daraus den größten Nutzen zieht.

Kelten und Gallier verwendeten das Pastel nicht nur für ihre Stoffe, sondern auch, zum Haare färben oder sich Gesicht und Körper damit einzureiben, um die Feinde zu erschrecken. Wahrscheinlich nennt man aus diesem Grund in Frankreich heute noch eine panische Angst „peur bleu“, blaue Furcht.

Im europäischen Mittelalter spielte die blaue Farbe lange Zeit keine Rolle. Erst der Heilige Ludwig (Louis IX) machte das Blau zu seiner Wappen- und Waffenfarbe. Auf diese Weise wurde das Blau nach und nach zu einer Farbe des Adels.

Die Färber brauchten dazu eine zuverlässige und haltbare Farbe – eben den Färberwaid.

Man kultivierte ihn damals in ganz Europa, vor allen aber im Süden, wo er durch das warme Klima eine besonders hohe Qualität erreichte.

So sind es vor allem klimatische Gründe, die ein Dreieck mit Albi im Norden, Toulouse im Westen und Carcassonne im Süden zum auserwählten Land des Pastel machten.

Im 14. Jahrhundert beginnt vom Lauragais aus der Pastel-Handel im großen Stil, der die Region prosperieren ließ, bis Mitte des 16. Jahrhunderts der Indigo aus der Neuen Welt den Markt erobert.

In der Zeit vorher wurden die großen Pastel-Händler, Tuchfärber und Spinner aus dem „Pays de Cocagne“, vor allem in Toulouse und Albi , unvorstellbar reich.

Die prunkvollste Zeit waren die Jahre von 1450-1560, wo das Pastel als „blaues Gold“ gehandelt wurde und großen Kaufherren wie Pierre d’Assézat in Toulouse sich beachtliche Vermögen verschafften. Erkennbar ist es heute noch an den überreichen Kaufmannshäusern, an der wichtigen Funktion des Capitouls und an dem aus dem Boden sprießenden Neu-Adel der Händler.

Kultivation und Handel mit dem Färberwaid verschwanden nach und nach aus Europa mit der Ankunft des Indigos, der zuerst, wie der Name zeigt, aus Indien kam, dann auch aus Amerika. Der Indigo aus Amerika, durchaus verwandt mit dem Färberwaid, war preiswerter und weniger kompliziert zu verwenden. Andere Gründe für den Niedergang des „Pays de Cocagne“ sind die Religionskriege und die mit dem großen Reichtum beginnende Trägheit der bedeutenden, nunmehr adligen Händler.

Mitte des 18. Jahrhunderts hatte der Indigo den Färberwaid in Europa vollständig abgelöst.

Wegen der Kontinentalsperre unter Napoleon gab eine kurze Renaissance des Pastels, mit dem die Uniformen der napoleonischen Armee gefärbt wurden.

Dann versank der Farbstoff wieder in der Vergessenheit – bis zum 20. Jahrhundert....

 

Pastel heute – eine neue Ära?

Seit 1994 betreibt die Firma „Bleu de Lectoure“ ein Projekt, um das Pastel wieder zu neuer Bedeutung zu führen.

Die aktuelle Produktion von Farbstoff und Öl aus dem Färberwaid beträgt 90 Hektar Anbaufläche im Ariège.

Pastel ist seit langem auch bekannt für seine insekten- und pilzabweisenden Eigenschaften. Das erklärt die traditionelle Verwendung des Farbstoffs für Fensterläden, Türen und Karren in unserer Region.

 

Die heutige industrielle Verwendung der Pflanze ist vielfältig. Einige der Eigenschaften der Pflanze sind schon seit der Antike bekannt.

* Kunst (Tinte, Pastell, Aquarell, Malerei)

* Textiles (Tauchfärbung von Stoffen, Färben von Spulen für die Weberei)

* Kosmetik ( Pastelöl, sehr reich an essentiellen Fettsäuren )

* Farben (Gebäude, Autos und Fluggeräte)

* Medizin (sehr vielversprechende Forschungen in Gange)